This content requires the Adobe Flash Player.
Get Flash
Konformale Strahlentherapie/ IMRT
Die lokale Tumorkontrolle ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlungsstrategie bei jedem Tumorpatienten. Es konnte nachgewiesen werden, daß eine fehlende lokale Tumorkontrolle zu einem größeren Risiko von Tochtergeschwülsten (Metastasen) und geringeren Überlebenschancen führt. Bei einer Reihe von Tumorerkrankungen sind die Strahlendosen, die gegenwärtig üblicherweise eingestrahlt werden, nicht geeignet, um eine zufriedenstellende lokale Tumorkontrollrate zu erreichen. Konformale Strahlentherapie bedeutet eine Behandlungsmethode, die eine sorgfältige reproduzierbare Lagerung, dreidimensionale computerunterstützte Bestrahlungsplanung und Therapiemaschinen umfassen, die eine hohe Dosis optimal angepasst an das zu bestrahlende Volumen (=Zielvolumen) applizieren können. Ein Beispiel für ein solches Volumen ist die Prostata. Eine bessere Dosisanpassung erlaubt höhere Strahlendosen am Zielvolumen und gleichzeitig geringere Strahlendosen am umgebenden gesunden Gewebe.
Die konformale Strahlentherapie nutzt verschiedene Techniken
der Anpassung des Strahlenfelds und der Schonung des gesunden Gewebes.
Die einfachste Technik ist die Verwendung von mehreren, coplanaren
Stehfeldern, d.h. die multiplen Strahlenfelder konvergieren in einer
einzigen Ebene. Dazu wird der Patient zunächst exakt gelagert, ggf. mit
Lagerungshilfen, und es wird in dieser Position eine
Computertomographie (CT) angefertigt. Die Serie von CT-Schichten wird
aneinandergereiht, und nach Konturierung des Zielvolumens in jeder
einzelnen Schicht, ergibt sich im Bestrahlungsplanungscomputer ein
virtuelles Zielvolumen (= Tumorvolumen + Sicherheitssaum). Der
Strahlentherapeut und der Medizinphysiker erarbeiten gemeinsam die
Bestrahlungstechnik, d.h. Einfallswinkel der Bestrahlungsfelder und die
Größe der Bestrahlungsfelder, die dem Zielvolumen in der jeweiligen
Strahlerkopfposition am nächsten kommt. Eine bessere Anpassung der
rechteckigen oder quadratischen Felder an das Zielvolumen wird dadurch
erreicht, daß individuell geformte Metallblöcke in den Strahlengang
eingebracht werden. Beispiele für diese einfache Form der konformalen
Strahlentherapie sind 4-Felder-Techniken beim Prostatakarzinom oder bei
anderen Beckenbestrahlungen.
Vor ca. 10 Jahren wurde ein
motorisch gesteuerter Mehrlamellen-Kollimator zur individuellen
Feldformung in der Patientenbehandlung eingesetzt. Die Lamellen sind
meist präziser zu positionieren als die Metallblöcke. Dennoch können
letztere in bestimmten Situationen weiterhin von Vorteil sein.
Wenn
der Bestrahlungstisch und das Bestrahlungsgerät aus der Nullstellung
gedreht werden, können Bestrahlungsfelder abweichend von der normalen
Rotationsachse eingestellt werden (sog. non-coplanare Felder). Im
Prinzip kann das Zielvolumen damit aus jeder beliebigen Richtung
bestrahlt werden. Allerdings können bestimmte Positionen wegen der
möglichen Kollision von Tisch und Bestrahlungsgerät nicht genutzt
werden. Außerdem sind einige Winkeleinstellungen unpraktisch und nicht
sinnvoll, z.B. wenn bei einer Beckenbestrahlung der Strahleneintritt
über den Kopf erfolgen soll. Trotz dieser Einschränkungen kann durch
non-coplanare Felder eine Dosisreduktion am gesunden Gewebe von 50-75%
erreicht werden.
Die non-coplanare Bestrahlungstherapie ist in
Planung und Ausführung wesentlich komplizierter als coplanare
Bestrahlungen. Der Bestrahlungsplanungscomputer muß die Strahlendosis
an jedem Punkt des Weges eines Strahlenfeldes und in jedem
Volumenelement („Voxel“) im Tumor berechnen und dabei die Streudosis
aus den anderen Volumenelementen mitberücksichtigen. Je nach
Berechnungsmodell wir die Rechenzeit bei dieser komplizierten
Bestrahlungsplanung um das 50-100fache verlängert. Wenn extreme
Genauigkeit gewünscht wird, kann eine spezielle Rechenmethode (Monte
Carlo Methode) verwendet werden, bei der die Effekte von Billionen von
Photonen bei der Berechnung berücksichtigt werden. Eine Berechnung mit
dieser Methode ist aufwendig und dauert mit einem modernen Computer ca. einen Tag. Bei einer Planberechnung wird der Berechnungsvorgang deshalb auf mehrere Computern verteilt.
Eine neue Methode der
perkutanen Bestrahlung ist die intensitätsmodulierte Strahlentherapie
(IMRT). Im Gegensatz zur konventionellen Planung, bei der die
Dosisverteilung so homogen wie möglich sein soll, wird bei der IMRT
versucht, irreguläre Volumina zu bestrahlen, wobei an verschiedenen
Stellen im Tumor unterschiedliche Strahlendosen deponiert werden
können. Die IMRT kann auf verschiedene Arten erreicht werden. So
besteht die Möglichkeit, viele verschieden große und geformte Felder
einzusetzen („Step-and-Shoot-Methode“). Ferner können mit dem
Multileaf-Kollimator individualisierte Felder dynamisch während einer
Bestrahlung verändert werden ("dynamisches IMRT"). Dabei kann sich auch das
Bestrahlungsgerät bewegen, so daß eine inhomogene Dosisverteilung mit
erhöhter Strahlendosis am Tumor und sehr niedriger Dosis am gesunden
Gewebe erzeugt wird. Die technischen Anforderungen an die IMRT sind
enorm. Auch die Überprüfung, ob die berechnete mit der tatsächlich applizierten Dosis übereinstimmt (Dosimetrie) ist aufwendig. Eine besonders schnelle IMRT-Variante ist das sogenannte Rapid-Arc-Verfahren, bei der in einer Gantrydrehung eine intensitätsmodulierte Strahlendosis hochpräzise appliziert werden kann.
Zur konformalen Strahlentherapie
gibt es klinisch relevante Daten z.B. beim Prostatakarzinom,
Lungenkarzinom und Hirntumoren. Die meisten Daten wurde beim
Prostatakarzinom gesammelt. Verschiedene Arbeitgruppen konnten
nachweisen, daß höhere Strahlendosen zu einer besseren lokalen
Tumorkontrolle führen. Langfristige Ergebnisse bzgl. einer besseren
Überlebenschance liegen noch nicht vor, es erscheint aber plausibel,
daß eine bessere lokale Tumorkontrolle mit einer höheren
Überlebenswahrscheinlichkeit einhergeht.
Zurück